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Was ist generative KI?

Kein Plan, warum KI teilweise so viel Ärger macht? Im Folgenden soll ein Überblick mit Definitionen gegeben und erläutert werden, woher gewisse Kritik kommt. Wenn vereinfacht von „KI“ – kurz für „Künstliche Intelligenz“ – gesprochen wird und wie sie sich auf die Kunstwelt auswirken kann, so ist damit so gut wie immer generative KI gemeint.

Im Englischen wird kurz von „AI“ (Artificial Intelligence) gesprochen. Vermehrt werden die Kürzel „genKI“ und „genAI“ für einen klareren Diskurs genutzt. Während assistierende Formen von Künstlicher Intelligenz schon länger Anwendung finden, etwa in Form von Rechtschreibprogrammen, ist generative KI ein junges Phänomen, das für sich zu betrachten ist.

Dabei handelt es sich um algorithmusbasierte Modelle, sogenannte Large Language Models (LLM), die mithilfe großer Datensätze und Rechenleistungen Inhalte erstellen. Viele Internet-User waren schnell begeistert, dass man mit ChatGPT nicht mehr nur chatten, sondern sich mit sogenannten Prompts ganze Texte, Bilder und Videos wünschen kann, die innerhalb kurzer Zeit bereitstehen. Diese Begeisterung geht mit der Falschannahme einher, dass Modelle wie OpenAI, Midjourney und Co. ihre Inhalte aus dem Nichts erschaffen.

Der Begriff der Künstlichen Intelligenz ist in mehrfacher Hinsicht irreführend: Er spielt mit der Science-Fiction-Idee einer Maschine, die wie ein Mensch denkt und kreativ sein kann, obwohl generative KI nur ein Output nach Wahrscheinlichkeitsberechnung ist. Sie ist nicht intelligent, ja, nicht einmal künstlich, da sie nur durch Datensätze operiert, die aus menschengemachten Inhalten bestehen.

Entsprechend wird debattiert, ob das Training von generativer KI mit unautorisierter, aus dem Internet bezogenen Daten eine massenhafte Verletzung von Copyright und Persönlichkeitsrechten ist. Derzeit laufen Gerichtsverhandlungen von Autor*innen, unter anderem gegen OpenAI in den USA, weil ihre Texte ohne ihre Erlaubnis und Kompensation für das Training von Sprachmodellen benutzt wurden. Ähnliche Proteste bahnen sich in allen Kunstsparten an.

Inspirations- oder Kopiermaschine?

Kunst klaut doch eh nur von den Dingen, die es schon gegeben hat. Also kein Grund, sich aufzuregen, wenn generative KI das macht. Oder?

Frei nach dem Motto, es hätte schon alles gegeben, argumentieren Verteidiger*innen von generativer KI, dass sie nur arbeite wie Kunstschaffende auch: inspiriert von bestehenden Werken.

Dabei wird außer Acht gelassen, wie künstlerischer Austausch derzeit zwischen Individuen und vom Gesetz geregelt wird. Ein großer Punkt ist Intransparenz: Generative KI verschleiert ihre Quellen. In der Regel verheimlichen Kunstschaffende nicht, was sie inspiriert. Sie reden über Bücher, die sie begeistern, oder Filme und Musik, die sie kreativ angeregt haben.

Auf diese Weise wird nicht nur Credit gegeben, sondern auch das Original sichtbar gemacht, sodass Interessierte zu ihm finden können. Während Ideen frei sind, gibt es konkrete Regelungen für Zitate, Adaptionen und Weiterbearbeitungen. Gesetze ums Copyright stellen sicher, dass Kunst nicht einfach von Dritten weiterverwendet werden kann, sondern dass Urheber*innen für ihre Arbeit anerkannt und kompensiert werden, in Form von Tantiemen oder Lizenzen.

Inhalte, die mithilfe von KI generiert werden, beginnen mit dem Prompt und enden mit dem Ergebnis, ohne aufzuschlüsseln, welcher Quellen sich bedient wurde. Die Menschen, deren Texte und Bilder notwendig waren, um den Algorithmus zu trainieren, bleiben unsichtbar und wurden nicht kompensiert. Bei einigen Firmen, zum Beispiel Open AI, dem Unternehmen hinter ChatGPT, steht sogar der Vorwurf im Raum, Raubkopien aus dem Internet für das Training benutzt zu haben.

Daher wird generative KI besonders kontrovers unter Kunstschaffenden diskutiert, die sie teils als eine Form von Kunstdiebstahl ansehen. Andere glauben wiederum, trotz Problematiken Nutzen aus ihr ziehen zu können. So heißt es manchmal unter Schreibenden: „Ich würde keinen Roman von KI schreiben lassen, aber ich nutze sie zur Recherche oder um mir Inspiration zu holen.“ Oder: „Ich finde es nicht okay, ein komplettes Bild generieren zu lassen. Aber wenn man ein generiertes Bild zur Inspiration nimmt, ist es etwas anderes.“

In diesen Fällen wird generative KI als ein Ideenpool behandelt, der sie gar nicht ist – zumindest kann sie nur limitierte Ideen liefern.

1. Da generative KI ein Output ist, der auf Wahrscheinlichkeitsberechnung und einem Datensatz basiert, kann sie nur wiedergeben, was Menschen bereits geschaffen haben. Sie kann nichts Neues kreieren. Zu glauben, sie sei „stärker“ als Menschen, nur weil es sich um Technologie handelt, ist ein Trugschluss. 

2. Ein besonderes Limit besteht in Bezug auf Diskriminierung. Generative KI ist nur durch große Datensätze möglich, weshalb sie tendenziell wiedergibt, was sich häufig im Datensatz findet. Da sie auf menschengemachten Inhalten basiert, nimmt sie auch menschliche Fehler mit. Soll heißen: Wenn es um Menschen geht, wird generative KI immer Schwierigkeiten haben, Marginalisierte darzustellen im Gegensatz zu einer Norm – oder gar Diskriminierung wiedergeben. Studien wie „Bias Against Women and Girls in Large Language Models“ zeigen eindeutig, dass generative KI dazu tendiert, Frauen in eingeschränkten und sozial niedrigen angesehenen Rollen als Männer darzustellen. Auch zeigen sich homofeindliche und rassistische Tendenzen in KI-generiertem Output.

Zusammengefasst wird generativer KI wesentlich mehr inspiratives Potential zugetraut, als sie de facto besitzt. Vielleicht mag diskutierbar sein, inwieweit der Vorwurf einer „Kopiermaschine“ greift – aber in jedem Fall ist sie nur durch die Vorarbeit von Menschen möglich, die nicht die ihnen würdige Anerkennung bekommen.

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Quellen:

Was ist generative KI (EN)
Artikel: George RR Martin verklagt ChatGPT (EN)
Artikel: 55 % generativer Input sind personenbezogene Daten (EN)
Artikel: Autor*innen verklagen ChatGPT (EN)
Unesco Studie: Geschlechterstereotype und KI (EN)

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